Ausbildung, Arbeit und Beschäftigung

Das Ziel von allen Flüchtlingen ist, ein selbstständiges Leben führen zu können. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Arbeitsaufnahme.

Vom Moment der Ankunft in Ilvesheim bis zur Aufnahme einer Beschäftigung muss allerdings eine lange Reihe von bürokratischen Hürden gemeistert werden. Für Flüchtlinge ist es häufig sehr schwierig und anfangs schlicht unmöglich dies ohne Hilfe zu schaffen.

Konkret benötigen die Menschen zumindest Hilfe bei der ersten Kontaktaufnahme zu den zuständigen Ämtern. Die rechtliche Regelung des Zugangs zum Arbeitsmarkt ist äußerst komplex. Die Voraussetzungen für die Arbeitsaufnahme sind abhängig vom ausländerrechtlichen Status der Person. Hinzu kommt, dass sich die Gesetzeslagen häufig ändern. Die Kontaktaufnahme mit der für den jeweiligen Aufgabenbereich zuständigen Stelle ist daher sehr wichtig.

Wir versuchen Flüchtlingen zu helfen eine Arbeitsstelle oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Unsere Unterstützung reicht aber auch von der Hilfe an einer berufsvorbereitenden Maßnahme oder einem berufsbezogenen Sprachkurs teilnehmen zu lassen bis hin zur Anerkennung von ausländischen Schulzeugnissen oder Berufsausbildungen.

Falls Sie ausländerrechtliche Fragen zum Thema Ausbildung, Arbeit oder Beschäftigung haben oder einen Asylbewerber bzw. einen anerkannten Flüchtling einstellen wollen, empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit unserer AG Arbeit.


Besuch bei der Jobs for future Messe am 24. Februar 2018 in der Maimarkthalle

 

Viele unserer Flüchtlinge haben keine besonders gute Vorstellung von der Arbeitswelt in Deutschland. Sie kennen viele Berufe und manchmal auch eine ganze Branche nicht. Das geht zwar manchem deutschen Schulabgänger ähnlich, aber er hat doch zumindest eine Ahnung um was es sich handeln könnte, weil er schon mal im Fernsehen etwas darüber gesehen hat oder ein Bekannter darüber etwas erzählt hat. Flüchtlinge haben sehr wenig Möglichkeiten ihr Wissen und ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet zu erweitern. Sie haben in Ilvesheim meist keinen Fernseher und schon gar keine deutschen Bekannten. Und leider haben auch manche keinen Paten mit dem sie sich darüber austauschen könnten.

 

Wir haben einige in Ilvesheim, die voraussichtlich bis zum Sommer einen Abschluss bei ihrer Deutschprüfung B2 vorweisen können und dann für eine Ausbildung geeignet wären. Einige andere werden es wohl nur schaffen B1 zu erreichen. Das reicht aber auch aus, um einfache Arbeitsstellen zu besetzen. Und sie wollen arbeiten – alle!

 

Am Samstag morgen haben wir uns auf den Weg gemacht – bei Minustemperaturen – und zusammen mit 10 Flüchtlingen, sechs aus Eritrea, einer aus Gambia, zwei aus Syrien und einer aus Afghanistan. Wir waren sehr gespannt was wir sehen, hören und erleben würden. Die Erwartungen waren sehr verschieden innerhalb der Gruppe.

 

Auf der Messe angekommen waren sie sehr erstaunt über das riesige Angebot. Immerhin sind wir an über 200 Ausstellerständen vorbeigekommen. Am größten war die Verwunderung darüber, dass hier auch die Bundeswehr, die Polizei und das BKA Nachwuchs suchen.

 

Größtes Interesse herrschte bei den Flüchtlingen jedoch für die Stände des Handwerks, wie z.B. Schreiner, Automechaniker und Landschaftsgärtner. Und beim Bäckerhandwerk wurde von einigen mit großer Freude sofort eine Art 5 Minuten Praktikum absolviert. Aber auch für Pflegeberufe wurden Informationen eingesammelt und gleich mal gemeinsam mit den Omas am Stand musiziert. Logistikberufe waren so interessant, dass einer wahrscheinlich seine Bewerbung bei einem der Betriebe, die wir auf der Messe besucht haben, machen wird.

 

Bei Daimler Benz, John Deere und ähnlichen Großbetrieben war die Auskunft allerdings stets, dass Flüchtlinge nur über die Empfehlung des Jobcenters eingestellt werden, also die Eigeninitiative am Stand leider nur wenig bringt. Fast schon unüberwindlich scheint eine generelle Forderung vieler Betriebe zu sein: die Bewerbung über das Internet. Nicht alle Flüchtlinge in Ilvesheim haben einen Zugang zum Internet zuhause und nur einige wenige einen Computer – zum Teil vom Flohmarkt für 30 Euro gekauft.

 

Bei den berufsvorbereitenden Kursen zum B2 Deutschabschluss wird zwar alles vermittelt um eine Bewerbung über das Internet zu machen. Aber es nicht gut vorstellbar, dass Flüchtlinge dann jedes Mal Fahrkarten kaufen, um zum Jobcenter zu fahren und dort die Computer zu benutzen, wenn sie eine interessante Stellenanzeige entdeckt haben. Paten helfen da manchmal mit ihrem privaten Gerät aus, aber wie soll dass gehen für demnächst über 100 Flüchtlinge? Wir wissen es nicht.

 

Was haben wir für’s nächste mal gelernt? Eventuell den Besuch besser mit kleineren Gruppen machen, damit man besser jedem helfen und erklären kann. Wir hatten außer den oben beschriebenen auch Teilnehmer dabei, die aufgrund fehlender Sprachkenntnisse noch länger auf einen Arbeitsplatz warten müssen. Die haben z.T. den Sinn der Messe nicht richtig verstanden. Einer dachte, er käme da mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche wieder raus. Ein anderer konnte gar nicht verstehen, was die Messe soll, wo doch das Jobcenter entscheidet was man machen wird...

 

Wir bleiben dran!

Petra & Gerhard