Integration ist einfacher,

 

wenn sich alle daran beteiligen!

 

  

Nichts macht glücklicher als anderen zu helfen!

 

Engagier dich für Flüchtlinge in Ilvesheim! Jetzt! Hier!

 

 


Wann ist der Mann ein Mann?

Rund zwei Drittel der geflüchteten Menschen in Ilvesheim sind Männer. Einzelereignisse lassen die Öffentlichkeit dabei nur an Probleme denken. Wir wissen, was sie wirklich antreibt und beschäftigt. Wie geht es ihnen wirklich, was sind ihre Motivationen und Bedürfnisse, ihre Träume und Hoffnungen? Wie wirken Erstaufnahmelager, Notunterkünfte, Behörden und die Einheimischen auf sie? Wir Ehrenamtlichen haben täglich Kontakt mit ihnen. 

 

Soziale Kontakte

Die jungen Männer wünschen sich Begegnung und Freundschaften mit Deutschen. Selbstverständliche Zugangswege, Schule, Arbeitsplatz, Jugendclub, Verein oder Gemeinde fehlen ihnen. Gelegenheiten deutsch zu sprechen, beschränken sich auf die Supermarktkasse oder auf Haupt- und Ehrenamtliche Helfer. Es ist schwierig, Deutsch zu lernen ohne im Kontakt mit (gleichaltrigen) Deutschen zu sein und gleichzeitig schwer, Kontakt aufzunehmen, wenn man die Sprache nicht beherrscht. Die Berichterstattung über Straftaten führt zu pauschalen Vorurteilen. Sie werden nicht als Person wahrgenommen, sondern oft als „gewalttätiger Flüchtling“. Sie erleben Beschimpfungen. Um (in-)direkte Rassismuserfahrungen zu vermeiden, ziehen sie sich zurück. 

 

Wohnen und Unterbringung

Frauen und Familien werden in Unterkünfte, die mehr Ruhe, Sicherheit und Privatsphäre  bieten, eingewiesen.

Männer kommen in Ilvesheim meist in eine WG, wo sie mit Fremden im selben Zimmer schlafen. Die beengte Wohnsituation und fehlende Rückzugsräume und Privatsphäre, die bis in die intimsten Lebensbereiche hineinreichen, schränken massiv ihre Autonomie und Handlungsfähigkeit ein. Dies erschwert ein selbständiges Handeln. Es herrscht das Gefühl, fremdkontrolliert zu sein, und viele leiden unter dem auffälligen Verhalten Einzelner. Ruhestörungen sind für Nachbarn, aber auch für Flüchtlinge, eine Qual. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten wirken psychisch belastend. Alle jungen Männer wollen aus dieser Fremdbestimmtheit schnell heraus. Sie wünschen sich eine eigene Wohnung, um Privatsphäre, Sauberkeit, Sicherheit, Raum für Konzentration zum Lernen und Ruhe, also ein selbständiges Leben, zurückzugewinnen. Bei der Suche nach Wohnraum gibt es verdeckte und ganz offene Diskriminierungserfahrungen. Ohne Hilfe haben sie in Ilvesheim („ich vermiete nicht an Flüchtlinge“) keine Chance auf dem Wohnungsmarkt. 

 

Bildung und Arbeit

Lange Wartezeiten auf Sprachkurse oder Arbeitserlaubnis bremsen junge Flüchtlinge aus. Rückschläge beim Sprachkurs oder bei der Arbeitssuche rauben Selbstbewusstsein. Frustration ist vorprogrammiert, da ihnen häufig eine realistische Einschätzung ihrer Chancen im deutschen Ausbildungs- und Berufssystem fehlen. Für Wohlbefinden und Zugehörigkeitsgefühl ist ein Arbeitsplatz, oder wenigstens die realistische Aussicht darauf, entscheidend. Sprache und Beschäftigung sind Meilensteine, um Anschluss an die Aufnahmegesellschaft zu finden, persönliche Netzwerke zu entwickeln und ein selbständiges Leben zu führen. 

 

Familie

Die jungen Männer vermissen ihre Familie und sind einsam. Unsicherheit bezüglich Familiennachzug und die Angst um Eltern, Geschwister oder Ehefrau und Kindern belasten ihren Alltag sehr und erschweren ein „Ankommen“ in Deutschland. Umso wichtiger ist der Kontakt mittels Telefon und WhatsApp: das gibt Kraft und Durchhaltevermögen. Von dort kommt aber auch oft der Druck, schnell zu arbeiten, um zum Beispiel die Kosten der Flucht zurückzuzahlen und die Familie finanziell zu unterstützen. Ehe und Vaterschaft haben traditionell einen hohen Stellenwert. Der Wunsch in Deutschland zu heiraten und eine Familie zu gründen scheitert an der erlebten Wirklichkeit. Der Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter muss gleichzeitig mit der Integration in eine neue Gesellschaft gemeistert werden. Wichtig wären hier mehr unterstützende Strukturen, um diesen Konflikt bewusst zu bewältigen. Bei Männern, die mit ihrer Familie geflüchtet sind, entstehen manchmal innerfamiliäre Konflikte. Sie verlieren ihre Rolle als Stütze und Ernährer der Familie. Die Position ihrer Frau verändert sich, beispielsweise durch zunehmend außerfamiliäre Aktivitäten. Ehemals festgeschriebene Geschlechterrollen werden zur Verhandlungssache und mit dem Verlust von Selbstbestimmung und Berufstätigkeit sind die erlernten Männlichkeitsanforderungen im neuen Umfeld für den Mann oft schwer zu erfüllen. Wir Ehrenamtlichen stehen vor der Herausforderung, bewusst beide Geschlechter gleichberechtigt in Prozesse einzubeziehen.

 

Gesundheit

Die Flucht und der Status Flüchtling machen alle sehr verletzbar. Viele sind traumatisiert und kommen in Deutschland bereits mit Schlafstörungen, Albträumen oder Depressionen an. Nach ihrer Ankunft entstehen oft Druck und psychische Belastung durch Unterbringung, lange Wartezeiten, Untätigkeit, Frustration und Einsamkeit. Es ist schwierig, mit der Unsicherheit bezüglich des Anerkennungsverfahrens, ihrer Wohn- und Arbeitssituation und möglichen Familiennachzugs umzugehen. Sie fühlen sich hilflos und erleben einen Verlust von Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung, der sich massiv auf ihre Psyche auswirkt. Nicht immer ist therapeutische Hilfe nötig, um mit den belastenden Erlebnissen umzugehen. Sozialer Kontakt mit anderen Gleichaltrigen und positive Erlebnisse unterstützen sehr.

 

Fazit

Die Herausforderung bleibt es, vernünftigen Menschenverstand zu zeigen und Helfer zu finden. 

 

Mehr Infos auch in einer Studie zum Thema unter www.movemen.org


Was ist eigentlich Integration?

 

Menschen mit Migrationshintergrund verfügen in Bezug auf Bildungserfolge, Sprachkenntnisse, die Ausbildungs- und Erwerbsbeteiligung sowie weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens oft nicht über gleichberechtigte Teilhabe. Es ist für das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Wurzeln und den Zusammenhalt der Gesellschaft jedoch von großer Bedeutung, dass gleichberechtigte Teilhabe für alle in Ilvesheim lebenden Menschen realisiert wird.

 

Die Voraussetzung dafür ist Chancengleichheit – sie soll in den zentralen Lebensbereichen wie dem Bildungssystem, dem Arbeitsmarkt, dem Wohnungsmarkt sowie dem Vereins- und Freizeitleben für alle Menschen in Ilvesheim bestehen. Es gibt nämlich nicht „die Integration in die Gesellschaft“, sondern lediglich Integrationsprozesse in verschiedenen Teilbereichen Deshalb setzen wir uns ein für Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, Bildungschancen, Sprachkurse, das alltägliche Zusammenleben, z. B. am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, im Kindergarten, in der Schule und im Verein und die Abwehr von Diskriminierung. Flüchtlinge müssen allerdings auch bereit sein, diese anzunehmen und grundsätzlich das ihnen Mögliche tun, um gesellschaftliche Teilhabe zu erreichen. Eine wichtige Voraussetzung erfolgreicher Integration ist deshalb, dass alle hier lebenden Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder vom Vorliegen eines Migrationshintergrunds bereit sind, Anerkennung und Respekt für einander sowie Offenheit für Angehörige anderer Kulturen und Religionen aufzubringen. Nur wer sich anerkannt und respektiert fühlt, wird auch bereit sein, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

 

Erfolgreiche Integration bedingt das Zusammenwirken und das Engagement der Menschen in Ilvesheim. Dies bedeutet, dass die Gesellschaft Menschen mit Migrationshintergrund Angebote zur Beteiligung eröffnen muss. Und von Menschen mit Migrationshintergrund werden der Wille und das Engagement zur Annahme dieser Angebote erwartet, etwa beim Erwerb der deutschen Sprache.

 

In der Integrationsarbeit hat die Vermittlung der im Grundgesetz fest-geschriebenen und zwingend erforderlichen normativen Grundlagen

Vorrang. Zugleich wollen wir

Neuzugewanderte 

dafür sensibilisieren, auf spezifische gesellschaftliche Werte oder Alltagskonventionen zu achten - die sie so eventuell aus ihrer Heimat nicht kennen - und diese wenn nötig zu respektieren (Alltagsregeln, z.B. Pünktlichkeit). 

 

Erfolgreiche Integrationsarbeit für Flüchtlinge wird uns helfen, den demokratischen Wandel zu bewältigen und das Armutsrisiko zu vermindern. Erworbene Qualifikationen geben Flüchtlingen auch die Möglichkeit einer „Rückkehr mit Perspektive“, also eine Form der Entwicklungshilfe dar. Dies kann langfristig auch dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen.

Es ist also nicht nur ein Gebot des Asylrechts, sondern vor allem der Menschlichkeit und eines vorausschauenden Blickes in eine Zukunft, in der wir gemeinsam mit diesen Menschen leben werden, die ankommenden Geflüchteten in unserer Gemeinde zu unterstützen und gemeinsame Werte zu leben.

 

Alle Informationen über unsere Arbeit und die Flüchtlinge in Ilvesheim finden Sie auf www.integration-ilvesheim.de