Ehrenamtlich helfen

Ich will helfen! – Erste Schritte in die Flüchtlingshilfe 

 

Wie kann ich mich engagieren? Wen muss ich kontaktieren? Muss ich mich zeitlich binden?  Dies sind einige von vielen Fragen, die Menschen beschäftigen, die mit dem Gedanken spielen, sich zu engagieren.

 

Ehrenamtliche Tätigkeiten beruhen auf Freiwilligkeit, sie sind kontinuierlich oder projektbezogen, und sie erfolgen in der Regel unentgeltlich. Bedenken sind berechtigt und natürlich. Viele Ängste lösen sich jedoch bereits nach der ersten Kontaktaufnahme mit anderen Ehrenamtlichen von selbst auf. Daher ist es hilfreich, erste Schritte ins Ehrenamt über unseren Arbeitskreis Integration Ilvesheim zu tätigen. Natürlich können auch Kontakte aus der Gemeinde oder aus dem Freundeskreis helfen, Verbindungen zu anderen Ehrenamtlichen herzustellen. 

 

Und: So erfülllend und befriedigend dieses Engagement sein kann - einfach ist es nicht. Darüber sollte sich jeder klar werden, der sich für diese Arbeit meldet.


Der Arbeitskreis Integration Ilvesheim

 

Im „Arbeitskreis Integration Ilvesheim“ haben sich die ehrenamtlich Tätigen im Bereich der Flüchtlingshilfe zusammengeschlossen. Er setzt sich aus Paten, mehreren Arbeitsgruppen („AGs“) mit Helfern innerhalb verschiedener Bereiche sowie einem sogenannten Lenkungskreis zusammen und heißt neue Ehrenamtliche jederzeit willkommen. Wir sind momentan in den folgenden Bereichen aktiv: 

 

    Empfang von neu zugewiesenen Flüchtlingen
    Erstausstattung  Spendenannahme und -verwaltung für die Ausstattung der Unterkünfte
    Sprachunterricht Deutschunterricht für Flüchtlinge 
    Hausaufgaben Betreuung für Flüchtlingskinder 
    Spiele-Nachmittag Betreuung für Flüchtlingskinder
    Arzt und Gesundheit Ratschläge zu Arztbesuchen
    Arbeit und Beschäftigung Hilfestellung für Flüchtlinge
    Sport und Freizeit Kontakt und Vermittlung zu Vereinen
    Fahrräder Spendenannahme und Organisation unserer Fahrradwerkstatt
    Internet Erstellung und Pflege unserer Homepage

Gegenseitiges Kennenlernen

 

Wie gehe ich mit den Neuankömmlingen um? 

Jeder Mensch hat das Bedürfnis soziale Kontakte zu knüpfen. Wie dies geschieht ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Während es beispielsweise Länder gibt, in denen ein „Nein“ als unfreundlich wahrgenommen wird, ist es in Deutschland nicht unüblich, Einladungen abzulehnen. Auch beim Essen gibt es große kulturelle Unterschiede. Dennoch, die Grundbedürfnisse sind meist ganz ähnlich: Freundschaften knüpfen und gesellschaftliche Integration. Es wird sicherlich Situationen geben, die Verwirrung, Frustration und Unverständnis hervorrufen. Rat können Sie bei anderen Ehrenamtlichen, den zuständigen Sozialarbeitern oder der Integrationsmanagerin der Gemeinde suchen. Grundsätzlich sollte man sich darauf einstellen, dass Integration kein Prozess ist, der sich auf einige Monate beschränken lässt. Integration dauert Jahre und manchmal sogar ein Leben lang. 


Versicherung 

 

Bin ich als ehrenamtlicher Helfer versichert? 

Als ehrenamtlicher Helfer sind Sie über die Unfallkasse des Landes Baden-Württemberg abgesichert (UKBW) wenn Sie für den Arbeitskreis Integration Ilvesheim tätig sind. 

 

Sind Flüchtlinge versichert? 

Die Flüchtlinge in Ilvesheim befinden sich alle in der Anschlussunterbringung und sind in aller Regel bereits, oder spätestens kurz nach ihrer Ankunft bei uns, Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (z.B. in der AOK).


Wo wird Hilfe benötigt und was kann ich tun? 

 

Unterbringung 

Für die Anmietung bzw. Vermietung von Wohnflächen an Asylbewerber und Geduldete kommen nur bautechnisch geeignete Unterkünfte in Frage. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass die Wohnungen und Häuser von den zuständigen Gemeinden, Städten und Landkreisen angemietet werden. Diese haften für die sichere Unterbringung der Personen. Darüber hinaus haben die zuständigen Ämter die Verpflichtung, die zulässige Wohnraumfläche nicht zu überschreiten. Diese sind ein Vielfaches geringer, als die durchschnittliche Wohnfläche eines Bürgers in Ilvesheim. Sie bewohnen derzeit ca. 8-10m² pro Person. Da sich diese Zahl aus der gesamten Wohnfläche der Wohnung, also inkl. Wohnzimmer, Küche, Bad, Flur, usw. errechnet, ergeben sich Situationen bei denen sich 3 oder 4 Menschen, die sich eigentlich fremd sind, ein Schlafzimmer mit Etagenbetten von 8 qm teilen. Die Miet- und Nebenkosten werden bis zu einem bestimmten Betrag vom zuständigen Jobcenter übernommen. 

Flüchtlinge bei sich aufnehmen: Es gibt immer wieder Menschen, die eine freie Mietwohnung oder ein freies Zimmer besitzen und in Erwägung ziehen, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Grundsätzlich ist dies möglich, vorausgesetzt die bautechnischen Standards werden erfüllt. Die Mietkosten werden, je nachdem, ob sie bereits in der Lage sind ihren Lebensunterhalt selbst zu finanzieren oder nicht, nach den gültigen Regelsätzen vom zuständigen Jobcenter übernommen. Falls Sie der Gemeinde eine Wohnung zur Unterbringung von Flüchtlingen anbieten wollen, wenden Sie sich bitte an die Integrationsmanagerin der Gemeinde. 

 

Kinder- und Jugendbetreuung 

Genauso wie deutsche Kinder haben Kinder aus Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Die Nationalität oder der Aufenthaltsstatus eines Kindes spielt dabei keine Rolle. Ausschlaggebend ist das Alter. 

Eine gute Möglichkeit der Betreuung der Kinder kann auch zusammen mit den Eltern, z.B. am Wochenende bzw. vor oder nach dem Sprachunterricht stattfinden. Es kann sehr viel Spaß machen, zu sehen, wie diese Kinder schwimmen lernen bzw. einem anderen Sport nachgehen. Kinder- und Jugendliche integrieren sich häufig sehr viel leichter in ihre neue Umgebung. Auf spielerische Art und Weise werden so bereits erste Kontakte geknüpft und Sprachkenntnisse vermittelt. 

Ab einem sechsmonatigen Aufenthalt in Deutschland besteht für alle Kinder und Jugendlichen die Schulpflicht. Ein Recht auf Schulbesuch haben Kinder aber bereits sofort nach ihrer Ankunft.

 

Arbeitsmarkintegration 

Nach der Ankunft in Ilvesheim werden in der Regel Geldleistungen zur Sicherung des lebensnotwendigen Existenzminimums nach dem Asylbewerberleistungsgesetz AsylbLG bzw. des SGBII (Hartz IV) bezahlt. Diese Leistungen werden an eine „Eingliederungsvereinbarung“ gekoppelt. Das heißt, Flüchtlinge werden verpflichtet Integrations- oder berufsvorbereitende Kurse zu besuchen. Denn das Ziel ist sie zur Arbeitsaufnahme zu befähigen.

Vom Moment der Ankunft in Ilvesheim bis zur Aufnahme einer Beschäftigung muss allerdings eine lange Reihe von bürokratische Hürden gemeistert werden. Für Flüchtlinge ist es häufig sehr schwierig und anfangs schlicht unmöglich dies ohne Hilfe zu schaffen. Konkret benötigen die Menschen zumindest Hilfe bei der ersten Kontaktaufnahme zu den zuständigen Ämtern. 

Falls Sie ausländerrechtliche Fragen haben oder einen Asylbewerber bzw. einen anerkannten Flüchtling einstellen wollen, empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit dem unserer AG Arbeit.

 

Sprachvermittlung 

Fehlende Sprachkenntnisse sind meist die größte Hürde auf dem Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe. Integrationskurse stehen nur Asylberechtigten und Flüchtlingen mit einer „guten Bleibeperspektive“ offen (derzeit Menschen aus Syrien, Eritrea, Iran und Irak) und werden vom Jobcenter in der individuellen Eingliederungsvereinbarung verpflichtend festgehalten.

Alle anderen profitieren nicht von den Angeboten, weshalb wir versuchen provisorische Wege zu gehen, um diese Lücke zu füllen. Unsere AG Sprachunterricht freut sich über Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren möchten. 

 

Mobilität 

Die Mehrzahl der Flüchtlinge und Asylbewerber besitzt zu Beginn ihres Aufenthalts in Deutschland kein Auto. Viele Wege werden entweder zu Fuß, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wir versuchen für jeden Geflüchteten in Ilvesheim ein Fahrrad zu bekommen und sind dabei auf gespendete  Fahrräder angewiesen.

 

Freizeitgestaltung 

Ob Sie gemeinsam kochen, Fußball spielen, gärtnern oder einfach nur einen Spaziergang machen. Der Mehrwert solcher Begegnungen ist beidseitig sehr groß. Es werden Ängste abgebaut, Sprachkenntnisse gefördert und Erfahrungen ausgetauscht. Häufig entstehen auf diese Weise auch enge Freundschaften, die nicht nur auf dem „Hilfsprinzip“- basieren, sondern auf einem gemeinsamen Miteinander.

 

Medizinische Versorgung 

Die medizinische Versorgung von Asylbewerbern (Antrag noch ohne Entscheidung) und geduldeten Personen beschränkt sich auf akute Erkrankungen und Schmerzen. Bei der Kontaktaufnahme und der Terminvereinbarung mit der jeweiligen Praxis wird oft Hilfe benötigt. 

Geflüchtete in Ilvesheim sind meist bereits Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung und weisen ihren Versicherungsschutz beim Arztbesuch ganz normal mit der Versicherungskarte nach.

 

Übersetzungsarbeiten 

Für diverse Anliegen werden immer wieder ehrenamtliche Übersetzer gesucht. Insbesondere bei Arztbesuchen ist es notwendig, dass konkrete körperliche und seelische Beschwerden kommuniziert werden können. Auch Mitarbeiter von Behörden, Kindergärten und Schulen beklagen immer wieder die fehlende Kommunikationsbasis. Insbesondere für Arabisch oder Tigrinya, aber auch für andere Sprachen werden Helfer beim Übersetzen benötigt. Falls Sie sich in diesem Bereich engagieren können, kontaktieren Sie uns bitte.

 

Soziale Netzwerke und Internetpräsenz 

Insbesondere jüngere Generationen nutzen überwiegend Onlineplattformen, um sich gegenseitig auszutauschen. Aber nicht nur für die jüngeren Helfer sind die Pflege und der Aufbau eines online-Netzwerkes interessant. Allen Nutzern wird ermöglicht, sich untereinander auszutauschen und das gemeinsame Erstellen von Inhalten stärkt den Zusammenhalt, auch innerhalb der Helfergemeinde. Die AG Internet hat einen Webauftritt erstellt, der viele wichtige Informationen enthält und so zur Effektivität der ehrenamtlichen Arbeit beiträgt. Falls Interesse besteht, die Arbeitsgruppe Internet bei Ihrer Arbeit zu unterstützen, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. 

 

Haushaltsführung 

Manche Flüchtlinge brauchen zur Integration in Deutschland auch Unterstützung in der Haushaltsführung. Nicht immer ist ihnen bekannt wozu ein Gefrierfach, eine Mikrowelle, ein Dampfbügeleisen oder ein Staubsauger gut sind. Und das Thema Mülltrennung ist bei uns so einzigartig, dass selbst Einwanderer aus europäischen Ländern Unterstützung benötigen. Ein weites Feld – mit sehr viel Ansatzpunkten Unterstützung zu leisten.

 

Helfernetzwerk 

Für all diejenigen, die gerne enge, persönliche Kontakte zu den Neuankömmlingen pflegen, aber niemanden vollumfänglich betreuen möchten, bietet sich die Arbeit als Helfer an. Man betreut und unterstützt Flüchtlinge bei individuellen Herausforderungen (Hausaufgabenbetreuung, Stadtrundgang, Informationsbeschaffung). Wichtig ist, dass es sich hierbei lediglich um eine Form der „Hilfe zur Selbsthilfe“ handeln soll. Unterstützung erhalten Sie sowohl vom Helferkreis des Arbeitskreis Integration Ilvesheim. Helfer und Paten tauschen sich bei verschiedenen Treffen und gemeinsamen Veranstaltungen aus. Außerdem gibt es ein Angebot von zahlreichen Schulungsveranstaltung die von den Sozialverbänden zur Unterstützung der ehrenamtlichen veranstaltet werden.


Wo sind die Grenzen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit?

 

Auch das Ehrenamt hat seine Grenzen. Man sollte darauf achten, sich nicht zu überlasten. Dabei hilft es Netzwerke aufzubauen, Aufgaben zu delegieren und das Angebot der Gemeinden und Landkreise zu nutzen. Man sollte außerdem nur eine Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Die Neuankömmlinge sollen selbstständig lernen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Dafür bedarf es insbesondere am Anfang intensiver Hilfe, die dann aber zunehmend abgebaut werden kann. Auch Behördengänge sollten mit der Zeit zunehmend selbstständig erledigt werden. Wenn Sie bei Schritten im deutschen Verwaltungssystem selbst auf Probleme stoßen sollten, ist das durchaus normal und uns allen zuvor auch schon passiert. Wir helfen dann gerne mit unserem Wissen weiter.

 

Schaffen Sie gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen und mit den Flüchtlingen ein gegenseitiges „Wir- Verständnis“. Ein Miteinander, welches nicht aus einem Überangebot von Hilfe besteht, sondern aus Freundschaft, Toleranz und Respekt.